PHILIPP RUTHNER feldenkrais

Logo

Moshe Feldenkrais

Dr. Moshe Feldenkrais wurde am 06.05. 1904 in der Kleinstadt Slavuta (Ukraine) in einem hasidisch-jüdisch geprägten Elternhaus geboren. Im jungen Alter von 14 Jahren emigrierte Moshe Feldenkrais nach Palästina, das zur jener Zeit britisches Mandatsgebiet war. Dort war er zunächst Bauarbeiter und Nachhilfelehrer für Kinder mit Lernschwierigkeiten aus wohlhabenden Familien tätig (vgl. Hanna, 1984, S. 23). Im Alter von 23 Jahren maturierte er, studierte dann in Tel Aviv Mathematik und arbeitete anschließend fünf Jahre lang als Landvermesser.


Selbstverteidigung mit Stuhl
(Internet. Zugriff am 6.Juni 2008 unter http//feldenkrais-mehod.org/en/image/tid/298)
Daneben studierte er Jiu-Jitsu und unterrichtete diese Form der Selbstverteidigung Rekruten der Hagana, einer Militärorganisation, die später in die israelische Armee Zahal umgewandelt wurde. 1929 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Jiu-Jitsu and Self-Defense“ (Hanna, 1984). Moshe fand ebenfalls gefallen an der Autosuggestion, wie sie von Emil Coue gelehrt wurde und übersetzte 1930 Coues Buch über Autosuggestion ins Hebräische. Sein Buch über Jiu-Jitsu war es jedoch, dass Feldenkrais mit Jigoro Kano in Paris Bekanntschaft machen ließ (vgl. Leri in Russel, 2004, S.168). Feldenkrais wurde der erste Schwarzgurtträger in Frankreich und gründete später den ersten Judo-Club Frankreichs.

Sein Studium setzte Feldenkrais in Paris mit einer Ausbildung zum Elektro- und Maschinenbauingenieur fort. Anschließend promovierte er auf der Sorbonne, wurde Doktor der Physik und arbeitete während dieser Zeit im Labor von Frederic Joliot-
Moshe Feldenkrais mit Joliot Curie
(Krauss, 2001, S.156)
Curie, dem späteren Nobelpreisträger.
Beim Einmarsch der Deutschen in Frankreich floh Feldenkrais nach England, wo er bis Kriegsende in der wissenschaftlichen Abteilung der britischen Admiralität als Forschungsoffizier für U-Boot-Abwehr tätig war.
1949 erscheint sein Buch „Body and Mature Behavior“, in dem sich die theoretischen Grundlagen der Feldenkraismethode finden. Es basiert auf Manuskripten von Vorträgen, die Feldenkrais in den Jahren 1943/44 vor einem kleinen Kreis von Wissenschaftlern in Schottland gehalten hatte.
In dieser Zeit verschlimmerte sich eine alte Fußballverletzung seines Knies, die für Feldenkrais lange ein großes Problem darstellte. Da ihm die konventionelle Medizin nur eine 50% Erfolgsquote für die Operation seines Knies prognostizierte, ging er zur Selbsthilfe über, indem er seine Bewegungsmöglichkeiten und –gewohnheiten erforschte und schulte, bis er in der Lage war, wieder effizient und schmerzfrei zu gehen (vgl. Reese 1991, S.4-7). Diese Art der Selbstexploration und der damit verbundene Lernprozeß flossen unmittelbar in die Umsetzung seiner wissenschaftlichen Kenntnisse ein, und so entwickelte er allmählich die Techniken „Funktionale Integration“ und „Bewusstheit durch Bewegung“.
Anfang der 50er Jahre wurde Feldenkrais zum Direktor der elektronischen Abteilung der Streitkräfte berufen. Er fuhr fort, seine Methode weiterzuentwickeln und zu praktizieren, und begann regelmäßig Gruppen zu unterrichten (vgl. Hanna 1984, S.30). Diese Arbeit mit Menschen wurde ihm immer wichtiger, so dass er seine Karriere bei der Regierung aufgab. Zu seinen
Moshe Feldenkrais beim Unterricht 1981
(Feldenkrais, 1999, S.128)
Schülern zählten in dieser Zeit auch David Ben-Gurion, der erste Premierminister des Staats Israel (vgl. Friedmann 1989, S.89) sowie später unter anderem Yehudin Menuhin, Peter Brook, Igor Markevitch (vgl. Sieben 1994, S.6).
Ende der 60er Jahre bildete Feldenkrais in Tel Aviv einen ersten Kreis von Interessierten zu Lehrern seiner Methode aus (vgl. Reese 1991, S.4).
1972 hielt er seinen ersten Workshop in den USA, dem zwei Trainings von 1975-1978 (San Francisco) und 1980-81 (Amherst) folgten. Während seiner Europaaufenthalte in dieser Zeit kam Feldenkrais auch in die Schweiz und nach Deutschland. So fand 1979 unter seiner Leitung eine Tagung über funktionelle Therapie im Kinderzentrum der Münchner Universitätsklinik und 1981 ein Seminar in Freiburg statt (vgl. Gruen 1980, Sieben 1994).
Moshe starb 1984 im Alter von 80 Jahren in Tel Aviv

Feldenkrais. M. (1999). Der Weg zum Reifen Selbst. Paderborn: Junfermann.
Friedmann, E. (1989). Laban, Alexander, Feldenkrais: Pioniere bewusster Wahrnehmung durch Bewegungserfahrung; drei Essays. Paderborn: Junfermann.
Hanna, T. (1984). Moshe Feldenkrais: The Silent Heritage. Somatics (5). S. 22-30
Krauss, J. (2001). Einfach Bewegen. S. 156. Paderborn: Junfermann.
Leri, D. (2004). Moshe Feldenkrais und Judo. In: Roger Russell (Hrsg.), Feldenkrais im Überblick. Über den Lernprozeß der Feldenkraismethode. Paderborn: Junfermann.
Reese, M. (1991). Moshe Feldenkrais Arbeit mit Bewegung, Milton Eriksons Hypnotherapie, Parallelen Teil 1. Feldenkrais Gilde: München.
Russell, R. (2004). Feldenkrais im Überblick. Paderborn: Junfermann.
Sieben, I. (1994). Von der Kunst das leben zu lernen. Moshe Feldenkrais zum 90. Geburtstag und 10.Todestag. In: Ballett international – tanz aktuell (5). S.6M

PHILIPP SCHUSTER
Europameister Skateboarding 2007

„Ich hab am Anfang nichts gemerkt, dass ich anders auf dem Brett stehe; erst zwei Tage nachdem ich Skateboarden war bin ich draufgekommen, dass ich in der Session fast alle Tricks „switch“ (in die ungewohnte Fahrtrichtung) gemacht habe und sofort gestanden habe. Als hätte ich unterbewusst gelernt mich anders zu bewegen..“